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Suchhund wird Flughund: Lebensretter auf vier Pfoten gehen in die Luft

Einsatzkräfte der Rettungshundestaffeln von Feuerwehr Ulm und DRK-Kreisverband Ulm haben am Samstag eine Übung der besonderen Art absolviert. Möglich machten das ein Fluganbieter aus Kreuth am Tegernsee und der Luftsportverein Erbach.

Vertrauensvoll lässt sich Kiwi von Jessica Feldengut in den wartenden Hubschrauber tragen. Der Abwind des Hauptrotors und das Surren der Turbine beeindrucken die gerade vier Monate alte Labradorhündin nicht. Dann schließen sich die Türen der Kabine und der Helikopter hebt ab. 

Elf Mal startet und landet die Maschine an diesem Samstag am Rande des Erbacher Flugplatzes. Die „Colibri“ genannte EC120 ist ein einmotoriger Hubschrauber des deutsch-französischen Flugzeugherstellers Eurocopter – und sie hat eine besondere Fracht an Bord: Im Verlauf des Tages gehen 18 Rettungshunde und Rettungshunde in Ausbildung der Feuerwehr Ulm und der DRK-Rettungshundebereitschaft Ulm/Alb-Donau mit ihr in die Luft. Kiwi ist die jüngste von ihnen. Andere, darunter die sechsjährige geprüfte Rettungshündin Hündin Jules und ihr Hundeführer Rainer Benedens, sind bereits Profis und fliegen zum wiederholten Male. 

„Suchhund wird Flughund“ ist die Übung überschrieben. Mit ihr lernen Menschen und Hunde das richtige Verhalten im Umfeld an- und abfliegender Hubschrauber und auch, worauf es beim Ein- und Aussteigen ankommt. Das hat einen durchaus ernsten Hintergrund: „Im Rettungshundeeinsatz begegnen unsere Teams immer wieder Hubschraubern – sei es, weil Polizeihubschrauber parallel zur Suche mit den Hunden aus der Luft suchen oder weil nach dem Auffinden einer Person ein Rettungshubschrauber zum Fundort kommt“, erklärt Amrei Oellermann, Ausbildungsleiterin der Rettungshundestaffel der Feuerwehr Ulm. 

Dass die Hunde in einem solchen Fall gelassen bleiben, ist essenziell. Aber auch die Menschen an ihrer Seite müssen wissen, wie sie sich richtig verhalten und worauf es beim Einweisen von Hubschraubern oder bei der Auswahl eines Landeplatzes ankommt. In Ausnahmefällen ist auch ein Transport von Rettungshundeteams im Hubschrauber denkbar. Auch das will geübt sein, damit die Vierbeiner im Ernstfall entspannt am Einsatzort ankommen und für ihre wichtige Aufgabe bereit sind. 

Zugleich soll der Tag die Bindung der Teams stärken. „Im Einsatz müssen sich Mensch und Hund blind aufeinander verlassen können“, erklärt Jana Müller, Bereitschaftsleiterin der DRK-Rettungshundebereitschaft Ulm/Alb-Donau. Auch dann, wenn es anstrengend oder belastend wird, wenn an einer Einsatzstelle Lärm, Hektik und der Druck, schnellstmöglich Vermisste zu finden, hinzukommen. „Je mehr Hundeführer und Hund im Rahmen ihrer Ausbildung gemeinsam meistern, desto besser können sie im Ernstfall auch unter herausfordernden Bedingungen zusammenarbeiten“, weiß Müller aus eigener Erfahrung. Mit ihrer erfahrenen Labradorhündin Chewie konnte sie bereits im echten Einsatz einen Vermissten aufspüren. Am Samstag fliegt sie mit ihrer Nachwuchshündin Bibi. 

Dass der Tag stattfinden kann, ist maßgeblich zwei Kooperationspartnern zu verdanken: Dem Fluganbieter „Flying Emotions“ aus Kreuth am Tegernsee, dessen Geschäftsführer und Pilot Lothar Olm eigens für die Übung mit einer Maschine aus Landshut nach Erbach gekommen ist, und dem örtlichen Luftsportverein, der seinen Flugplatz zur Verfügung stellte und mit großer Gastfreundschaft die Verpflegung der Teilnehmer mit einem Mittagessen und Getränken übernahm. Für diese Unterstützung sind die Rettungshundeführer sehr dankbar: „Das ist alles andere als selbstverständlich“, weiß Oellermann. Denn die vielen Starts und Landungen innerhalb kurzer Zeit, die mit einem solchen Training einhergehen, stellen natürlich eine Mehrbelastung für Anlieger dar. 

Trotzdem sagten die Erbacher sofort zu, als sie die Anfrage der Feuerwehr erreichte: „Es geht hier schließlich nicht um Spaßflüge, sondern um ein Training mit ernstem Hintergrund“, betont Andreas Buchenscheit, der Vorsitzende des Luftsportvereins. Als früheres langjähriges Vorstandsmitglied eines DRK-Ortsvereins weiß er nur zu gut, wie wichtig einsatznahe Übungen sind. Sein Team sei ebenfalls sofort an Bord gewesen. „Wir haben die hiesigen Rettungshundestaffeln sehr gerne unterstützt.“ 

Das gilt auch für Pilot Lothar Olm. Er ist für Trainings dieser Art der ideale Ansprechpartner. Seit vielen Jahren ist er nicht nur in der Luftfahrt, sondern auch in der Rettungshundearbeit zu Hause: Olm leitet die Rettungshundestaffel des ASB Starnberg/Weilheim und führt mit seiner Golden-Retriever-Hündin Happy selbst einen einsatzerfahrenen Rettungshund. Weil er weiß, wie viel Zeit und Geld die ehrenamtlichen Rettungshundeführer ohnehin bereits in die Ausbildung ihrer Hunde investieren, stellte er für die Übung lediglich die entstandenen Spritkosten in Rechnung. Übrigens bereits zum wiederholten Male – im April 2025 besuchten die Rettungshundeführer ihn bereits zu einer Hubschrauberübung in Landshut, einige Jahre zuvor in Jesenwang im Landkreis Fürstenfeldbruck. 

Apropos Sprit: Hilfe kam auch aus dem benachbarten Bayern. Beim Luftsportverein Illertissen konnte Olm seinen Hubschrauber zwischendurch unbürokratisch tanken – das war in Erbach nicht möglich, da der Flugplatz dort über kein Jet Fuel verfügt. Das Gemisch aus Kerosin und Benzin ist ein spezieller Flugkraftstoff für Düsentriebwerke. 


Über die beiden Ulmer Rettungshundestaffeln 

Die Rettungshundestaffel der Feuerwehr Ulm hat im vergangenen Jahr ihr 50-jähriges Bestehen gefeiert. Gegründet im April 1975, ist sie eine der bundesweit ältesten Rettungshundestaffeln. Die Feuerwehr Ulm verfügt über 23 geprüfte Rettungshundeteams für die Flächensuche nach Vermissten in weitläufigen Waldgebieten, 17 geprüfte Rettungshundeteams für die Trümmersuche nach Verschütteten und einen geprüften Personenspürhund, auch Mantrailer genannt. Alle Einsatzkräfte sind ausgebildete Feuerwehrleute. 

Die DRK-Rettungshundebereitschaft Ulm/Alb-Donau steht seit 2019 für Einsätze zur Verfügung. Sie stellt derzeit vier geprüfte Flächensuchhunde. 

Im Einsatz rücken die Rettungshundeteams von Feuerwehr und DRK gemeinsam aus. Beide Organisationen haben sich 2019 zur Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Ulmer Rettungshunde zusammengeschlossen, um ihre Kräfte zu bündeln. Pro Jahr kommt es im Schnitt zu 30 Alarmierungen. Im vergangenen Jahr konnten Rettungshunde der ARGE fünf Vermisste in hilfloser und zum Teil akut lebensbedrohlicher Lage auffinden. Auch nach dem Zugunglück bei Riedlingen im Sommer 2025 waren Rettungshunde aus Ulm im Einsatz.